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Die Zwönitz gehört zum Obererzgebirge und entspringt am Fuße eines interessanten Felsenrückens, des Schatzsteins (761 m), der zwischen Nord und Süd die Wasserscheide bildet. Was dem Zwönitztal sein ganz besonderes Gepräge gibt, ist die reiche Kette von Siedlungen, die es bis zur Höhe hinauf durchziehen. Ort reiht sich an Ort und überall tritt uns der rege Gewerbefleiß der Bewohner entgegen. Wer das Zwönitztal mit offenen Augen durchwandert, bekommt ein anschauliches Bild, wie sich im Erzgebirge, nachdem die Perioden, da der Wald und später der Bergbau, den Ansiedlern Nahrung gaben, eine gewaltige Umwandlung zu einer Industriegegend ersten Ranges vollzogen hat, ohne Wald- und Landwirtschaft vollständig zu verdrängen. Seit wann haben Menschen ihr Heim im Zwönitztal aufgeschlagen? Die Sorben gehören, wie ihre nächsten Verwandten, die Czechen, dem westlichen Zweige der großen slavischen Völkerfamilie an. Mit jenen sind sie aus den Länderstrichen an den Karpathen (dem alten Chrowatien = Kroatien) in die späteren Sitze gekommen, indem sie entweder von Böhmen her durch die Lausitz oder durch Schlesien zogen. Im Süden bildeten die Lausitzer Berge und das Erzgebirge die Grenzen des Sorbenlandes. Zunächst siedelten sich die Sorben in zahlreichen kleinen Niederlassungen in den weiten Stromniederungen und Ebenen vor dem Gebirgslande an, wo sie Spuren des dürftigen Ackerbaues ihrer deutschen Vorgänger antreffen mochten. Später erst und allmählich schoben sie sich in die Vorberge und engeren Flusstäler hinauf. Das Obererzgebirge, an dessen Grenze Zwönitz liegt, blieb bis zum 12. Jahrhundert, in den höchsten Lagen bis ins 13. und 14. Jahrhundert hinein eine menschenleere Waldwildnis, die erst der deutschen Einwanderung und besonders dem Bergbau und den durch ihn eröffneten Beziehungen ihre spätere zahlreichen Bevölkerung verdankt. Der Wald mit seinem nie versiegenden Reichtum, Feld- und Viehwirtschaft, dazu wohl auch Fischfang, sind nach der ganzen Art der Ansiedlungen in unserem Tale der Lebenserwerb der Bewohner in den ersten Jahrhunderten gewesen. In den größeren Orten entwickelte sich ein sesshafter Handwerksstamm, während die Dörfer hierin auf jene Orte angewiesen blieben. Als vom 11. Jahrhundert ab die reichen Erzgänge um Freiberg findig wurden und vor allem, als der reiche Bergsegen in den 60 Jahren von 1477 ab 11 neue Bergstädte, darunter Schneeberg, Annaberg, Buchholz und Scheibenberg in der Nachbarschaft entstehen ließ, da versuchte man auch im Zwönitztale, ob nicht irgendwo reiche Silberadern zu schürfen sein. Doch die Mühe lohnte sich nicht und so werden in den Blütezeiten des Bergbaues in der Nachbarschaft die Anwohner unserer Gegenden hinüber gezogen sein, um in der Annaberger und Schneeberger Gegend etwas von dem Silberreichtume zu gewinnen. Die Verarbeitung der gewonnen Erze wurde in einer Anzahl Eisenhämmer, welche die Wasserkraft der Zwönitz ausnutzten, vorgenommen. Bald aber trat mit dem Erliegen des Bergbaues ein mächtiger Umschwung ein. Als Nachbildung des Bergbaues bildete sich die Metallwarenbearbeitung weiter aus. Es entstanden Nagel-, Blech- und Löffelschmiederei. Doch konnten diese Berufszweige nur einen geringen Teil der Bevölkerung ernähren. Da glückte es für die Hausindustrie, die Weberei und Wirkerei, sowie die Posamenten- und Spitzen-Herstellung einzuführen. Während die Klöppelei für das oberste Zwönitztal von großer Bedeutung wurde, wendete man sich talabwärts mehr der Weberei und Wirkerei zu. Besonders seit gegen Ende des 17. Jahrhunderts von Chemnitz aus die Ausbreitung der Baumwoll- und Wollindustrie, erst als Spinnerei, dann als Weberei und Strumpfwirkerei, erfolgte. Merkmale dieser ehemaligen Industrieentwicklung haben sich in allen Orten des Zwönitztales erhalten und sind auch heute noch unverkennbar, nachdem die Hausindustrie längst durch den Fabrikbetrieb, der die Wasser- und Dampfkraft in möglichster Weise ausnützt, ersetzt worden ist. Den zahlreich entstandenen Fabrikanlagen kam es sehr zu nutze, dass seit 1875 eine von der Aktiengesellschaft erbaute und 1876 vom Staate übernommene Bahn das Tal durchlief und so die nötigen Kohlen und Rohstoffe herbeischafften, die fertigen Waren abführen konnte. Die neue Querbahn Stollberg - Zwönitz - Scheibenberg, die 1900 in Benutzung genommen wurde, bietet jedem die günstige Zufuhr aus dem nahen Lugau - Oelsnitzer Steinkohlebecken. So hat man sich besonders in Thalheim, dann auch in Dorfchemnitz, Meinersdorf, Gornsdorf und Burkhardtsdorf bedeutende Strumpffabriken als Hauptnahrungszweig für die immer wachsende Einwohnerschaft entwickelt, während die anderen Orte mehr gemischte Industrie aufweisen, die an den einzelnen Stellen aufgeführt werden soll. So zeigt unser Tal eine durchaus gesunde Entwicklung. Wer mit der Bahn auf - oder abwärts fährt oder ein Stück durchwandert, der wird überall Zeuge eines gedeihlichen Aufschwunges werden. Ort reiht sich an Ort; die Häuser sind sauber und meist von freundlichen Gärten umgeben und von gutgepflegten Wiesen- und Feldgrundstücken umrahmt. Schöne Straßen fördern den Verkehr, gute Gasthäuser winken zur Rast, fröhliche Menschen grüßen uns, gar oft winkt ein schöner Ausblick, das alles macht das Zwönitztal zu einem interessanten Stück erzgebirgischen Bodens, wohl wert besucht zu werden.
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